Achtsam bleiben, munter bleiben. Günther, der Treckerfahrer philosophiert über Tücken und Chancen des Corona-Alltags.

Feiern und Geselligkeit

Moin. Jetzt haben wir jahrelang immer mit anderen gefeiert, ganz egal, ob das nu Schützenfest war oder sagen wir mal 80. von Tante Hedwig. Wenn man mal ehrlich is, es war auch im Wesentlichen immer derselbe Schiet. Die Männer erzählten sich gegenseitig Heldengeschichten, wie sie die Radarfalle überlistet hätten und die Frauen, was se wieder für schweineinteressante Rezepte für Barracuda Sahnetorte ausbaldowert hätten. Warste auf einem Geburtstag, haste alle gesehen und an sich kriegte man es schon mit de Angst zu tun, wenn inne Nachbarschaft wieder einer nen runden Geburtstag hatte. Unsere Omma wurde dann schon immer regelrecht griffig: „Was doch ne Unverschämtheit, wir sind keine Nachbarn und verwandt höchstens über unsern Hund, wieso werden wir eingeladen.“ Und was alles gefeiert wird, machste dir keinen Begriff von: Schnapszahl-Geburtstage, Petersilien-, Ochsenhochzeiten, selbst wenn die Blagen zwei Jahre alt werden, rotten sich die Mütter zusammen und gingen beie Eierlikörflasche bei. Hatten wir jetzt auch genug gehabt, nu feiern wir eben mal anders. Wär ja noch schöner, wenn man nich auch mit weniger Spaß haben kann. Was sagten se schon immer: wenn mehr als zwei Niedersachsen zusammenstehen, droht eine spontane Feier, vier is schon ne Orgie und ab fünf Niedersachsen aufn Haufen wird das ne Tradition und man trifft sich jedes Jahr wieder. In dem Sinne sind wir vorbereitet und im Erfinden neuer Anlässe sind wir sowieso Weltmeister, warum nich mal versuchen, sich zwei Stunden hintereinander zu langweilen, das is gar nich so einfach. Oder man wettet mit seinem Hund, legt sich aufn Teppich und wer zuerst aufsteht, hat verloren und muss dem anderen ne Wurst ausgeben, gewinnt sowieso immer der Kollege mit dem Fell. Was ich damit alles sagen will: so ne kleine Pause zwischen dieser ganzen Feierei war längst mal nötig, man wurde ja schließlich noch ganz ramdösig von diesem ewigen Juchhe und Hopsasa überall. Sind ja nicht bloß die privaten Feiern auch öffentlich is ja den ganzen Sommer früher ein einziges Spektakel, in ner Stadt sowieso, dann ist Frühjahrskirmes, dann Weinfest, dann verkaufen se Buletten ausm Lieferwagen raus und machen da gleich ein Fest von, immer is irgendwas. In ner Stadt kamste doch monatelang nich zur Ruhe. Aber so ganz ohne ging es scheinbar doch nich. Wie isses denn so gelaufen überall den Sommer? In Gifhorn gabs das digitale Fest, konnte man sich im Netz besaufen, in Braunschweig ein Drive-In-Schützenfest, da sollte man sich allerdings am besten gar nicht die Rübe zuschütten und in Hannover bauten die Karussellfritzen über die ganze Stadt ihre Butzen auf. Zusätzlich kann man sich die Lütje Lage als Lutscher oder Eis reinpfeifen. Viele Gemeinden haben, obwohl die Feier ausfiel, trotzdem ihr Dorf mit Fahnen und Birkengrün geschmückt und dann saßen Mitglieder von höchstens zwei Haushalten auf den Terrassen bei Bratwurst und Schnellzapfbrühe. Alles schön und gut, was fehlt is das Geräusch: das Getröte und Rumgewämse auf den Blecheimern, hätte man nicht gedacht, dass einem das mal fehlen würde, aber es gehört zum Sommer wie die Schwalbe und der Rasenmäher, ohne Wumtata isses irgendwie nicht dasselbe. Kann man nur hoffen, dass viele kleine Gemeinden das Corona-Jahr nicht als Vorwand nehmen, ihr Schützenfest ganz bleiben zu lassen. Und der Landesregierung kann man auch nur empfehlen, die Vereine nich noch mehr zu pricken mit dauernd neuen Vorschriften für Umzüge und Zelte rauszuhauen. In Plattengülle hamse schon gesagt: Noch ein Wort aus Hannover und wir melden unsern Schützenverein als Religion an, dann könnt ihr uns gar nix mehr. Ich hab mir auch nen kleinen Ersatz überlegt und fahr mit ner Kiste Bier hinten aufm Anhänger ins Grüne, wegen eingeschränkter Teilnehmerzahl sind statt 20 aber bloß 10 Flaschen in der Kiste. Kann danach trotzdem nich mehr fahren, muss mich unsere Omma eben mit der Schiebkarre abholen. Munter bleiben!
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