Achtsam bleiben, munter bleiben. Günther, der Treckerfahrer philosophiert über Tücken und Chancen des Corona-Alltags.

Abstand und Maske 

Moin. Ein Meter fuffzig is in Niedersachsen kein Abstand, das grenzt schon an Umarmung. Insofern musste man da sein Verhalten nich groß ändern. Außer vor der Theke beim Schützenfest gehen sich die hiesigen Eingeborenen nich groß anne Wäsche. Da werden auch keine Fremden abgekuschelt bei der Begrüßung, sondern da bölkt man kurz „Moin“ vom Trecker aus übern Zaun und das wars. Ich hab mal kurz im Kopp überschlagen, wie viel Abstand rein rechnerisch in Niedersachsen möglich wäre: 166 Einwohner kommen hier auf einen Quadratkilometer, das heißt jede Nase hat rund 6000 Quadratmeter Fläche zur Verfügung, das is ein Grundstück von ungefähr 77 mal 77 Metern. Stellt sich jeder inne Mitte von seiner Fläche hin, dann isses bis zum nächsten Niedersachsen, der auch inner Mitte steht, ebenfalls 77 Meter weit. Da hält sich die Ansteckungsgefahr doch sehr in Grenzen. Nun gibt es aber ein grundsätzliches Problem: nich alle Bewohner wollen oder können auf diesen abstandsoptimierten Flächen leben, sondern in sogenannten Ballungsräumen, sagen wir mal Hannover oder Delmenhorst. Da wird der rechnerisch mögliche Abstand von 77 Metern deutlich unterschritten, zum Beispiel in der U-Bahn, wobei Delmenhorst meines Wissens sicherheitshalber gar keine hat, als hätten sie die Corona-Epidemie städtebaulich vorausgeahnt. Aber auch im Bus sind keine 77 Meter Abstand möglich, nich im Theater, nicht im Restaurant, eigentlich nirgendswo inner Stadt. Was ich schon immer gesagt hab, der Städter bleibt nich gerade meilenweit aber immerhin 77 Meter hinter dem zurück, was das Land Niedersachsen an Möglichkeiten bietet. Nun muss er selber wissen wat er tut. Mir persönlich wäre 1,50 oder 2 Meter schon zu eng aufe Pelle gerückt. Aber für solche Fälle soll ja die CoronaApp sein, dass man rauskriegt, ob einer infiziert is, der einem zu nahe gekommen is. Kerl nochmal was hat sich unser Omma über die CoronaApp aufgeregt, dass es die nich für Festnetz gibt, das wäre mal wieder typische Altersdiskriminierung. 

Anders sieht es aus mit Maske tragen, das kennt man ja schon. Wenn bei uns inne Nachbarschaft einer HTK, also Hühnertrockenkot aufn Acker verteilt, dann trägt sogar das Marmeladenbrot ne Maske, ich und unser Omma sowieso, dabei is HTK nich mal ansteckend aber eben auch son Aerosol wie Corona. So hab ich auch unser Omma erklärt, dass sie immer ne Maske tragen muss, wenn se nachn Bäcker reingeht sagen wir mal. Zuerst war sie widerspenstig und sagte, ein Bäcker würde doch kein HTK verteilen in sein Geschäft. Aber jetzt wo alle ne Maske im Gesicht haben, da will sie natürlich nich als Querulant auffallen. Es hat ja auch gute Seiten, man muss sich nich jeden Tag rasieren und weil es zu anstrengend is mit Maske zu sprechen, stehen auch nich so viel Leute im Supermarkt im Wege rum zum Tratschen. Geht alles viel zügiger seit Corona.  

Munter bleiben! 

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