Achtsam bleiben, munter bleiben. Günther, der Treckerfahrer philosophiert über Tücken und Chancen des Corona-Alltags.

Miteinander unterwegs

Moin. Unser Omma ist früher mindestens zweimal im Jahr mit NB-Traumreisen unterwegs gewesen, zur Steckrübenblüte ins Wurster Land bei Cuxhaven oder sogar bis Meran zum Heizdecken Outlet-Center. Dat waren immer sehr schöne Ausflüge, die sind nu dies Jahr alle komplett ausgefallen, nicht mal der Pastor lädt noch zu einer Kaffeefahrt ein. Der Bus an sich ist ja die Flugreise der Ü-70-Generation aber nicht so stark durchlüftet und komplett mit einer Risikogruppe bevölkert. Da sagt sich selbst unsere Omma, das kann auch mal ein Jahr ausfallen, die Steckrüben sehen auch sowieso jedes Jahr gleich aus. Der Busunternehmer sieht dat natürlich nicht ganz so, bei dem ist tote Hose. Du kannst ja heutzutage zum Grab von Hermann Löns fahren und da ist weit und breit kein Bus zu sehen. Das E-Bike ist die Busreise in der Corona-Zeit. Schön im Abstand von zwei Metern radelt, was früher im Bus unterwegs war, zusammen durch den Wald. Einziges Problem: das E-Bike hat keine Bordtoilette. Da kriegen sich die Teilnehmer schon mal eher inne Flicken wo und wie oft denn angehalten werden muss. Ansonsten läuft dieser Heizdecken-Ersatzverkehr reibungslos. Anders ist es, wenn man tatsächlich irgendwo hinmuss, sagen wir zur Arbeit und du bist mit dem Öffi zugange, musste logischerweise Maske am Kopp anbinden. Gibt aber immer irgendwelche Superschlauberger, die keine Maske tragen, dat ist erstens gefährlich und zweitens nicht erlaubt. Wenn du jetzt den Typen aber anpaulst und sagst, er soll sich gefälligst die Schnöttenbremse vors Gesicht nageln, dann riskierst du womöglich, dass er dir einen auf die 12 fenstert. Logischerweise will das keiner, also halten alle den Schnabbel, wenn eine Nacktfresse in ner S-Bahn aufläuft- oder typisch deutsch – deshalb aber nicht falsch – sie rufen die Polente oder den Knipser in ner S-Bahn. Ich hätte da einen anderen Vorschlag: immer ne zweite Einwegmaske eingetütet dabei und wenn die Nackedei-Visage auftaucht, gehst du hin und sagst: Bitte schön, schenk ich Ihnen. Und drückst se ihm in die Hand. Ich wette in so nem Moment wämst dir nicht mal die härteste Type einen und sagt stattdessen einfach danke. Dat Schöne ist ja, gegen Freundlichkeit kann man sich nicht wehren, ohne selbst wie ein Idiot dazustehen.

Ich fahr ja nicht oft mit Bussen und Bahnen, geht ja meist alles mitn Trecker. Da ist der Abstand zu anderen Treckerfahrern konstruktionsbedingt relativ groß. Oder ich nehme mein altes Fahrrad, darauf bin ich meist auch bloß der einzige Mitreisende.

Munter bleiben!

Hier ganze Kampagne anschauen!