Achtsam bleiben, munter bleiben. Günther, der Treckerfahrer philosophiert über Silvester .

Silvester

Moin. Wenn jetzt sowieso alles nich is wie sonst an Silvester, hab ich zu unser Omma gesagt, dann lass uns doch die Chance nutzen und den ganzen Tag neu machen. Is ja im Grunde wie Schlafzimmer renovieren. Die Stelle wo Omma mit ihren Kopp immer anne Tapete schubbert, da kannste auch nich einfach nen Stück neue Tapete drüberkleben, muss alles gemacht werden. Warum sollten wir die Feiertage bei der Gelegenheit nich mal gründlich durchrenovieren?

Eins is auf jeden Fall schon besser als die Jahre vorher, dies sinnlose Geknalle fällt bei uns inne Gemeinde aus, obwohl es nicht verboten is – Freiwillige Selbstbeschränkung. Was war das früher immer nen Stress mit die Tiere. Mittags haben wir den Hahn besoffen gemacht, damit der nich nachts durchdreht, abends kriegte die Katze Tabletten, dasse durchschlafen konnte. Ja und Mitternacht saßen unser Omma und ich inne beste Stube, jeder nen Ferkel aufn Arm und haben ihn die Ohren zugehalten. Waren ja immer so empfindliche dazwischen.

Dies Jahr is ja das Schöne, man muss gar nich aufbleiben bis Mitternacht, wenn nich geknallt wird. Silvester will man trotzdem feiern mit Ommas Teufelsbowle, das sind die Reste aus allen Schnapsflaschen vons ganze Jahr mit Kleine Reblaus verfeinert und Dosenpfirsiche. Nudelsalat muß auch und statt Bleigießen liest Omma immer die Zukunft aus den Rentenbescheiden vonner LVA.

Deshalb hab ich zu Omma gesagt, „wir feiern Silvester dies Jahr mit den Einwohnen von Bangkok zusammen“. „Wieso, sagt sie, gibs da keinen Lockdown und fliegt die Lufthansa da wieder hin?“ „Weiß ich nich, Omma, ich meine, wir feiern das quasi, nur zeitgleich mit denen, die sind 6 Stunden früher, dann können wir schon um 18 Uhr anstoßen und sind damit durch.“ „Nä“ sagt Omma, da kommt immer diesen besoffenen Engländer in Fernsehgerät, den sieht sie einmal zu gerne, wie der über die tote Katze stolpert. „Gut“ sag ich „dann zusammen mit den Bürgern von Wladiwostok, da is um 15 Uhr schon Silvester.“ „Weil die alle schon duun sind am Nachmittag, könnens nich abwarten.“ „Nä Omma 15 Uhr unse Zeit, bei denen isses 0 Uhr.“ „Ich weiß nich,“ sagt sie „mit besoffenen Russen aufn Nachmittag Silvester feiern“. „Gut, wie isses mit Melbourne in Australien, da fängt 14 Uhr das neue Jahr an oder wir ziehen gleich mit Neuseeland: 12 Uhr Silvester, dann isses wie bei uns, bloß hell.“ Damit war unser Omma schließlich einverstanden, aber bloß weil wir dann den Neujahrsspaziergang noch bei Helligkeit machen können am Nachmittag. Und wenns dann düster wird, haben wir zwei Feiertage an einem schon abgehakt und können trotzdem rechtzeitig ins Bett. Wie nennt sich sowas, is ja quasi das Gegenteil von einen Brückentag. Ich würd mal sagen: Wir sind stärker – können sogar zwei Feiertage auf einen, wenns drauf ankommt.

Munter bleiben.

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