Achtsam bleiben, munter bleiben. Günther, der Treckerfahrer philosophiert über Ostern zuhause.

Ostern zuhause

Moin,

Ich weiß jetzt gar nich, wieso man an Ostern überhaupt irgendwo hinfahren muss, da hat man doch zuhause genug umme Ohren, dies Jahr ganz besonders. Zum Beispiel muss noch Weihnachten ausn letzten Jahr nachgefeiert werden. In Sachen Süßigkeiten is Ostern sowieso schon auf gleicher Höhe wie Weihnachten. Das ganze Schokogedöns nimmt immer mehr Formen an. Den Hasen gibt’s in allen Größen und aus allem was knatschsüß ist: Schokolade, Marzipan, Fruchtgelee und son weißen Glibber, den ich noch gar nich kannte. Auch aus allem gibt’s das Lamm und das Küken. Das Hauptprodukt bleibt aber das Osterei, besonders beliebt auch aus Schokolade und mit was drin, gerne auch mit Alkohol. Der Klassiker ist Knickebein, so nennt sich die gelbe Spezialpampe im Ei, bestehend aus Eierlikör zusätzlich mit Branntwein aufgemotzt oder mit Fruchtsaft verdünnt. Der Name kommt daher, dass man davon stramm wird und die Stelzen wegknicken wegen dem Alkohol in den Eiern. Ich schätze aber mal, bevor man von Knickebein-Eiern breit wird, ist einem längst schlecht geworden von der vielen Schokolade umzu. Seit wann is Ostern eigentlich ein Schokofress-Event geworden? Und warum gibt es fast jedes normale Produkt in Hasenform oder in Eiern drin um diese Zeit? Damit ich mir nich bloß den Magen verderbe, geh ich Ostern nach draußen und mäh einen riesigen Hasen in den Rasen rein oder verteile Gülle in Form eines Monster-Ostereis aufm Acker, so groß, dass man es vom Mallorca-Flieger aus sehen kann – als ein Zeichen der Hoffnung in schweren Zeiten.

Wenn man jetzt weder Acker noch Gülle besitzt, und auch nicht so viel Schokokram fressen will, kann man sich auch mit den Osterklassikern beschäftigen: ganz normale Hühnereier färben, im Garten verstecken und Sonntag morgens von den Blagen suchen lassen. Wenn man keine Blagen hat oder die schon über 20 sind und nich mehr an den Osterhasen glauben, kann man auch die Eier den Abend vorher im strammen Kopp selber verstecken und dann suchen, is auch spannend, weil man sich nich mehr erinnern kann, wo man sie versteckt hat. Schon vorher muss man Eier ausblasen, falls noch einer weiß, wie das überhaupt geht: das Ausgeblasene wird mit Branntwein zu Eierlikör gerührt und die leeren Eier mit wilden Mustern oder Gesichtern von Merkel oder Ministerpräsidenten an frische Sträucher inne Vase gehängt. Weil man Weidekätzchen aber nich pflücken sollte wegen “das ist erste Nahrung für die letzten zwanzig Bienen, die überlebt haben” hängt man die ausgeblasenen Eier einfach draußen ins Gebüsch. Hat man das alles erledigt, dann bietet sich Ostersonntag morgens der klassische Osterspaziergang an: „von Eis befreit sind Bach und Nüsse“ oder so ähnlich, jedenfalls raus aus der Bude und nich vor der Glotze versacken an Ostern. Siehst du, so schön kann Ostern auch zuhause sein und wenn dann auch noch der Mallorca-Flieger über uns hinwegdüst, grüßen wir frisch und mit der Welt im Reinen die Doofen da oben.

Munter bleiben.

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