Günther, der Treckerfahrer geht einkaufen – analog, ohne Gedöns

Einkaufen umzu

Moin. Fragt mich Unser Omma gestern: „Wo liegt eigentlich dieses Internet, wo alle einkaufen?“ Ich sag: „Omma, das is nirgends und überall, wie der Herrgott.“ „Ich will aber nich, dass einen das Internet auch beobachtet ausn Himmel, schlimm genug, dass der Herrgott alles mitkriegt.“

Den Datenschutz gab es damals noch nich inne Bibel, aber is doch interessant, dass sogar son analoger alter Deubel wie Unser Omma das Problem mit dem Internet sofort durchschaut hat. Egal was du da einkaufst, dieses Internet merkt sich das und bombardiert dich so lange mit Lockvogelangebote, bis du was kaufst, damit das aufhört. Tut es aber nich, im Gegenteil, dann geht’s erst richtig los. Hier bei uns aufn Dorf der Lebensmittelladen, der führt auch Steckrüben-Brotaufstrich extra für Unser Omma, sonst kauft den keiner dort, weil der nach Schweine-Eimer schmeckt, aber deswegen kriegt sie nich jeden Tag Werbung für das olle Zeug. Und was noch schlimmer is, egal was du bei dem dämlichen Internet einkaufst, du sollst das nachher bewerten. Das Plünnengeschäft inne Kreisstadt hat schon vor Corona nen Schild im Fenster „Bloß kaufen ohne Bewertung“, das fanden die Kunden damals schon gut und deshalb sind sie dem Laden auch jetzt treu geblieben. Wie bekloppt das Internet is, habe ich selbst mal erlebt, da wollte ich ne neue Motorsäge kaufen. Bei einem Verkäufer gabs sie 20% günstiger, wenn ich ein Abo abschließe, dann käme jeden Monat ne frische Motorsummse, jederzeit zum Ende des Jahrzehnts kündbar. Bei einem anderen Händler sollte ich den passenden Baum als Kombiangebot mitbestellen und der bekloppteste schickte mir einen Vorschlag „was andere Kunden zusätzlich bestellt haben“. Das war ein Film auf DVD „Das Texas-Kettensägen-Massaker“. Da hatte ich den Kaffee auf und hab Niedermöllers Walter vom Landhandel angerufen – heute nennt sich der ja „Bachstelzen-Markt“ is aber auch egal – der hat mir ne Motorsummse bestellt und noch nen Kanister Bio-Öl dabei gelegt sowie nen Gutschein fürs erste Kettenschärfen, das nennt sich Service. Und der funktioniert sogar bei Corona.

Was man nich alles bestellen kann in diesem Internet sogar sein Mittagessen oder ne Kiste Bier. Statt dass die Leute selber kochen, schließlich sind die Lebensmittelläden ja nich zu, rufen se bei son Lieferdienst an. Danach kommt ein Rucksack-Radfahrer und bringt dir das vorbei. An sich ne schöne Sache, aber weder der Gastwirt, der das Mittagessen gekocht hat und auch nich der Rucksack-Radler können davon leben, das stecken sich alles irgendwelche jungen Schlaumeier inne Tasche, die sowas für ne tolle Geschäftsidee halten. Dabei sollte man lieber den Gastwirt in seiner Nähe unterstützen.

Früher nannte sich das Internet „Telefon“ und ich habs ausprobiert, funktioniert sogar heute noch. Habe ich in dem Restaurant im Nachbardorf angerufen und zwei Portionen „Mit alles“ für mich und Unser Omma bestellt. Dann bin ich halbe Stunde später mit Omma ihr sein Fahrrad dahingebügelt und habs abgeholt. So waren alle zufrieden: der Gastwirt darf das ganze Geld behalten, ich bin mal wieder anne Luft gewesen und Omma kriegt was innen Magen. Und noch was zum Schluss, das Internet is nich dasselbe wie China, sondern auch der Einzelhändler umme Ecke is online, wer jetzt unbedingt elektrisch einkaufen will, der kann das auch bei sich umzu.

Ansonsten sagt Unser Omma: „Analog macht auch satt.“ Hat se recht wie immer.

Munter bleiben!

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